Herbst

Aus Helmsheim

Version vom 25. September 2019, 09:44 Uhr von Admin (Diskussion | Beiträge)
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Sommerzeit Winterzeit



Schäfer Edmund

Saalbachwiesen
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Im Herbst stellte sich heraus ob sich die Plackerei über das ganze Jahr für den Bauern gelohnt hat. Die Abhängigkeit vom Wetter, oder unvorhergesehene Ereignisse, entscheiden über Erfolg oder Misserfolg. In früheren Zeiten wurde hier über das Schicksal der ganzen Familie entschieden. Muss der Gürtel enger geschnallt werden, oder hat man sein Auskommen bis zur nächsten Ernte. In Extremfällen führte dies auch zu Hungersnöten in der ganze Region.
Die Felder wurden abgeerntet und eingelagert. Auch das Obst und das Gemüse im Bauerngarten wurde geerntet und eingelegt, oder zu Marmelade verarbeitet. Überschüsse wurden verkauft oder gegen andere Ware eingetauscht. Industrielle Güter wie Tabak, Zichorie oder Zuckerrüben wurden über Genossenschaften vermarktet. Erzeugnisse aus der Viehwirtschaft konnten nun, abhängig vom Ernteergebnis, neu eingeplant werden.
Langsam kehrt nun etwas Ruhe auf den Feldern ein, bis der neue Kreislauf von Vorne beginnt.

Erntedank (Vorkriegszeit)


Herbsten

Trauben Fasade

In Helmsheim gibt es einige Kraichgau Hügel die durch ihre südliche Hanglage für den Weinanbau geeignet sind. Selbst die Süd Fronten der Häuser wurden teilweise für den Anbau genutzt. Nach den großen Schäden durch die Reblaus (1867 bis 1915) wurden die meisten Rebanlagen in Helmsheim aufgegeben. Als Weinbauort konnte man Helmsheim nun nicht mehr bezeichnen.
Meist für den Eigenbedarf oder im eigenen Vertrieb wurden die Wengert betrieben. Kurz vor der Eingemeindung wurde in Richtung Obergrombach, im Rahmen der Flurbereinigung, eine Gemeinschaftsanlage geschaffen. Deren Erträge wurden über eine Winzergenossenschaft vermarktet.
Wenn die Traubenlese anstand war die ganze Familie gefordert. Selbst die nähere Verwandtschaft wurde mit einbezogen. Beim Herbsten wurden die reifen Trauben von Hand abgeschnitten und in Eimern gesammelt. Diese Arbeit wurde meist von Kindern und den Frauen ausgeführt. Die Eimer wurden in einer „Butte" gesammelt und ein kräftiger Butten Träger brachte die Trauben dann zum Transportfuhrwerk, wo sie in Zuber entleert wurden.
Das ständige Bücken und die Hanglage machte das Herbsten zu einer kraftraubenden Tätigkeit. Die Beteiligten waren froh, wenn die Bäuerin mit einer kräftigen Mahlzeit auftauchte und der geschundenen Rücken sich etwas erholen konnte.


Eißler

Feldmann

Schührer


Kartoffelernte
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Wenn das Kraut der Kartoffelpflanze abgestorben ist, sind die Kartoffeln reif. Wurden die Setz-Knollen in Dämme gelegt, oder wurden die Kartoffeln gehäufelt, so sollte die Ernte relativ leichtfallen. Mit der Kartoffelhacke wurde in der Nähe der Pflanze eingegehauen und die Knollen herausgehebelt. Die Knollen wurden dabei per Hand von anhaftenden Erd- und Laubresten befreit und vorsichtig mit einem Korb eingesammelt. Mit der Industrialisierung wurde der Schleuderroder entwickelt, der das Ausgraben der Kartoffeln automatisierte. Nun mussten die Kartoffeln nur noch zusammengelesen und in Säcke gefüllt werden.
In den 1930er Jahren stellte der Kartoffelkäfer eine Bedrohung für die Kartoffelernte dar. Mit dem Slogan „Sei ein Kämpfer, sei kein Schläfer, acht’ auf den Kartoffelkäfer!“ war jeder zur Kartoffelkäferbekämpfung aufgerufen. Die Schulkinder bekamen sogar manchmal schulfrei, um die Käfer einzusammeln. Es gab Fangprämien und Ehrennadeln.

Stupfeln

Mit Einführung der Erntemaschinen blieben beim Erntevorgang kleine Reste auf dem Acker liegen. Die Maschine konnten nicht alles erfassen oder hatten manchmal auch Störungen. Diese Reste waren bei den Leuten die keine Landwirtschaft hatten sehr begehrt. Die Bauern sahen es zwar nicht gerne, aber da sie es nur für ihre Kleintiere als Winterfutter nutzten, haben sie es meist stillschweigend akzeptiert. So sah man nach der Ernte Kinder über die Felder laufen die Ähren und Kartoffeln für ihre Tauben oder Hasen „stupfeln“. Auch das Fallobst, das auf die Feldwege fiel, war ein beliebtes Sammelobjekt.

Drachensteigen

Beim Schreiner wurden zwei Drachenlättchen besorgt und zu einem Kreuz zusammengefügt. An der Verbindungsstelle wurde senkrecht ein kleines Lättchen eingespannt. Dies erfolgte mittels Drachenschnur über die horizontalen Enden des Lattenkreuzes. Dadurch konnte der Auftrieb gesteuert werden. Nun fehlte nur noch das Drachenpapier von der Elvir. Es war ein Transparentpapier das, meist in den Badischen Farben rot und gelb, auf das Lattenkreuz geklebt wurde. Zum Schluss wurde noch der Drachenschwanz, aus aneinandergereihte Papier Schlüpfe, am Drachenende angebracht. Oberhalb der Klammenhohl war ein guter Platz um Drachen steigen zu lassen. Wenn er eine stabile Höhe erreicht hatte, wurde die Drachenschnur am Boden festgemacht. Ein kleines Feuer wurde gemacht und eingesammelte „Grumbira“ in der Kuhle unter dem Feuer gebraten. Nach dem Essen wurde dann eine Heckenlene geraucht. Es handelte sich hierbei um ein Lianen Gewächs, das in den Hohlen an den Bäumen wuchs. In die Lunge geraucht war es ein furchtbarer Stoff, der zu fürchterlichen Husten Attacken führte. Aber was machten die Buben nicht alles um männlich zu wirken…